Zwei verschiedene Berichte - in Deutsch und Englisch - über die Jahrestagung 2008 der "Solidaritätsgruppe Tur Abdin/ Nordirak am 18./ 19.1.2008 in Nürnberg. Two various reports (first: in German and second: in English) about the annual meeting of the Solidarity Group Tur Abdin/ Northern Iraq.
Vorbemerkung: Im folgenden sind zwei verschiedene Berichte - zuerst in Deutsch, dann in Englisch - über die Jahrestagung 2008 der Solidaritätsgruppe Tur Abdin/ Nordirak abgedruckt. Wir bitten dies zu beachten!
Gedankensplitter, Anmerkungen, Beobachtungen, Zitate - 16. Jahrestagung der "Solidaritätsgruppe Tur Abdin/ Nordirak" 18./19.1.2008 in Nürnberg
von Horst Oberkampf, Solidaritätsgruppe Tur Abdin/ Nordirak
Wir waren eine kleine, familiäre Gruppe von etwa 35 Teilnehmern und Teilnehmerinnen, bunt gemischt aus Syrischen Christen und deutschen Interessenten.
Wir hatten hohen Besuch aus dem Tur Abdin: Erzbischof Filoxinos Saliba Özmen aus dem Kloster Deyrulzafaran und sein Sekretär Yusuf Begtas waren Teilnehmer der Tagung. Ein weiterer Bischof der Syrisch Orthodoxen Kirche nahm teil: Bischof Polycarpus Augen Aydin aus Holland war ebenfalls Teilnehmer. Die Anwesenheit beider Bischöfe gab der Jahrestagung 2008 ihren "besonderen Glanz".
Das Thema der Tagung lautete "Im Irak - Christen auf der Flucht - D i e Herausforderung im Nordirak und in Syrien".
Unsere Tagung bestand aus zwei Teilen, aus zwei Schwerpunkten: Einerseits ging es nochmals um die "Vertriebenen", die "Flüchtlinge" im Norden des Irak und in Syrien, andererseits um den Tur Abdin, um News und Projekte. Wir wagten den Spagat. Ich denke, er ist uns gelungen. Beide Themen kamen zu ihrem Recht.
Zur Thematik der "Flüchtlinge" hatten wir drei Referenten:
1. Attiya Gamri aus Holland, Landtagsabgeordnete, Assyrerin: Sie ließ uns teilhaben an der starken Lobbyarbeit in Holland für die Assyrer und Christen, die im Norden des Irak leben. Gute und Intensive Öffentlichkeitsarbeit in den Medien und auch im politischen Bereich. Höhepunkt dieser Arbeit war und ist ein bewilligter Zuschuss des Parlamentes von 6 Millionen EURO für die Flüchtlinge.
Anliegen der Lobbyisten: Eigene Entscheidung über die Zukunft - Weiterentwicklung der Sprache - Weiterentwicklung unseres Volkes in Freiheit - Praxis des christlichen Glaubens.
Mein Eindruck war: In Holland gibt es eine aktive Arbeit für die Assyrer!

2. Ninos Warda, Brüssel: Er berichtete u.a. über eine neue Entwicklung in der EU. Das Problem der Flüchtlinge und der Minderheit der Assyrer, Chaldäer, Syrer soll in die Europäischen Gremien getragen und dort mit bearbeitet werden.
Die Gründung des "Assyrian Council of Europe" (ACE) als politisches Gremium der Assyrer in Europa im Jahr 2007 wurde vorgestellt.
Interessant war, dass das Europäische Parlament am 15.11.2007 die Angriffe auf christliche Kirchen verdammte.
3. Shlemon Yonan, Vorsitzender des Zentralverbandes der Assyrischen Vereine, Berlin berichtete über die Situation der christlichen Flüchtlinge in Syrien, wie er sie bei seinen Besuchen im August und Dezember 2007 wahrgenommen hat. Etwa 12 000 christliche Familien sind aus dem Irak nach Syrien geflohen. Große Hoffnungslosigkeit, niemand weiß, wie es weiter geht.. Jeder Angriff auf Kirchen oder Christen läßt 100 Familien aus dem Irak fliehen. Ein Flüchtling in Syrien sagte: "Jesus wurde einmal gekreuzigt. Wir sind zweimal gekreuzigt worden: Einmal, weil wir Christen sind, zum andern weil wir keine Araber oder Kurden sind".
Assyrian Aid und Christian Aid sind auch in Damaskus vertreten und helfen. Christliche Solidarität ist gefragt.
Zur Thematik "Tur Abdin" wurde u.a. folgendes dargelegt:
1. Erzbischof Saliba, Mardin: "Wo immer unserem Volk Hilfen und Unterstützungen gegeben werden,ob im Nordirak, ob im Tur Abdin, ob in Syrien oder anderswo, die Hilfe kommt uns allen zugute, sie kommt unserem Volk ohne Unterschiede zugute".
"Unsere Anwesenheit im Nahen Osten dient der ganzen Christenheit".
Christen müssen in ihrer Heimat bleiben. Sie müssen dort weiter präsent sein.
Dann können auch andere Kirchen mit unseren alten Kirchen, denen wir angehören, Kontakte aufnehmen.
Der Erzbischof bedankte sich für die diversen Unterstützungen zur Renovierung des Klosters Deyrulzafaran. "Diese Unterstützung motiviert, dass Mardin erhalten bleibt. Das Kloster ist ein wichtiges kulturelles und religiöses Zentrum für die ganze Region, für tausende Touristen aus dem In- und Ausland. Das Kloster ist ein Zeugnis des christlichen Glaubens für alle Menschen".
2. Der Wiederaufbau und die Renovierung der Kapelle in Kafro wurde im August/ September 2007 in einem "Aufbaulager von jüngeren und älteren Deutschen und Syrern vorangebracht. "Ora et labora" (Bete und arbeite), die alte Mönchsregel wurde praktiziert. Es ist zum ersten Mal, daß nach Jahrhunderten eine Kirche wieder aufgebaut wurde!
Neben aller Arbeit gab es aber auch verschiedene Ausflüge, um die Sehens-würdigkeiten des Tur Abdin zu entdecken und kennenzulernen (Bericht Kirchenrat Ernst Ludwig Vatter, Stuttgart - verantwortlicher Leiter des Aufbaulagers).
3. Bericht über die Situation im Dorf Sare. Der Vorsitzende des Dorfvereins von Sare, Matthäus Turan aus Berlin betonte: Es war damals eine Symbol trächtige Räumung. Sare war das erste Dorf, das nach einer 10 jährigen Besetzung wieder geräumt wurde.
Die Planungen für die Wiederherstellung des Dorfes z.B. Infrastruktur, landwirtschaft- liche Wiederaufforstung usw. gehen voran.
4. Einen Bericht über den Stand der Renovierungsmaßnahmen des Klosters Deyrulzafaran und über seine Eindrücke von seinem ersten Besuch im Tur Abdin gab Kirchenrat Thomas Prieto Peral, München. Er war beeindruckt von den vielen Aktionen, die gegenwärtig im Tur Abdin laufen von Kafro angefangen bis hin zum Kloster Zafaran.
Er unterstrich nochmals die Notwendigkeit der Renovierung vom Kloster Deyrulzafaran, um die Bedeutung und Lage des Klosters zu unterstreichen.
Im Schlussgespräch betonte Horst Oberkampf nochmals, dass sowohl im Nordirak als auch im Tur Abdin verschiedene Aktionen deutlich machen, dass Leben und Bewegung und kein Stillstand in diesen Regionen ist. An vielen Stellen werden Unterstützungen gegeben (Kafro, Sare, Zafaran und bei der Bewältigung der "Winterhilfe" für die "Vertriebenen" im Nordirak). Nicht nur die Hilfe ist wichtig, auch das "Gebet für unsere Freunde", wurde betont.
"Wir brauchen einander" und "Auch die Geber werden beschenkt", meinte ein Teilnehmer unter dem Applaus der Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

Situation of Iraqi Assyrian Christians Discussed in Nürnberg
Assyrian International News Agency – writer: Assyria Council in Europa
Brussels -- On Friday 18th and Saturday 19th January 2008 the Solidarity Group for Tur Abdin & North Iraq organized a conference in Nürnberg, Germany on the plight of Iraqi Christians and the challenges faced by the international community. The Assyria Council of Europe (ACE) was represented in this conference by Ms. Attiya Gamri who gave a presentation about the situation of Assyrians in Iraq and what is needed to alleviate their situation. In her speech, Ms. Gamri made it clear that Assyrians in Iraq are entitled to the same rights and duties as other Iraqi citizens and that if they are not granted these rights then Iraq and especially the Nineveh Plains area will lose its native Assyrian population as has occurred in places such as Tur Abdin.
Mr. Ninos Warda also gave a talk on behalf of ACE and discussed the lobbying process within the EU and ACE's role in it and the importance of action taken by the EU and its member states. Mr. Warda emphasized that the situation of the Assyrians in Iraq requires a professional lobby to be instituted in Brussels so that awareness of this issue is raised at the EU level so that the EU can be in a better and informed position to help ensure that the rights of all peoples in Iraq are effectively protected as according to the Iraqi constitution.
Father Horst Oberkampf of Bad Saulgau gave a fascinating presentation with pictures from his visit to North Iraq in September/October 2007 and touched upon the distressing conditions that the Christians were living in. Furthermore, Mr. Shlemon Yonan from Berlin, head of the Central Union of the Assyrians, also gave a talk explaining what he saw about the situation of Iraqi refugees in Syria from his recent visit there. In addition, Father Thomas Prieto Peral from Munich also talked about his recent visit to Tur Abdin and presented some wonderful pictures of the small Assyrian community there.
There was general consensus throughout the conference that the situation of Iraqi Christians is regrettably dire and that steps must be taken to try and alleviate their situation. In a phrase that could adequately sum up the feeling throughout the conference, His Eminence Mor F. Saliba Özmen, Syriac Orthodox Bishop of Mardin and Diyarbekir stated that "We are the Assyrian Christians of Iraq and the Christians of Iraq are us." Similarly, His Eminence Mor P. Augin Aydin, Syriac Orthodox Bishop for the Netherlands also emphasized that although suffering and persecution is regrettable it strengthens a community's faith, national unity and resolve.
Other people who participated in the conference were Father Ernst Ludwig Vatter of Stuttgart and Father Emmanuel Yukhanna of the Church of the East in Wiesbaden.
Members of the Solidarity Group for Tur Abdin & North Iraq, the organizers of this event, include Ms. Janet Abraham from Munich, Dr. Shabo Talay of Erlangen, Father Thomas Prieto Peral of Munich and Father Horst Oberkampf from Bad Saulgau.
Assyria Council of Europe
© 20082008, Assyrian International News Agency. All Rights Reserved. Terms of Use. Many thanks to AINA!
 |